10. Wie halten wir Kontakt zu Verbündeten?


 

 

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit werden Kontakte mit Personen intensiviert, von denen angenommen wird, dass sie das Anliegen bereits mittragen. Mit diesen Personen, die im weitesten Sinne als bereits angesprochene SympathisantInnen bezeichnet werden können, ist ein laufender und gezielter Austausch von Ressourcen möglich.

 

Von zentraler Wichtigkeit ist das Wissen um die Notwendigkeiten und Bedürfnisse anderer, die man ansprechen will.

Durch die Leitfrage `Wie halten wir Kontakt zu Verbündeten ?´kann die Gruppe ihre Austauschprozesse reflektieren.

Das Wissen um die Aufrechterhaltung der Kontakte zu anderen Verbündeten kann hilfreich sein, um gegebenenfalls benötigte Ressourcen zu erhalten.

 

10.1 Austausch organisieren

Wir haben damals sogar Geld vom Ministerium für unsere Arbeit bekommen. Aber um diese Förderungen zu erhalten, war eine enorme Vorarbeit nötig, und das alles in ehrenamtlicher Tätigkeit. Wir haben uns einfach überlegt, welche Vorteile die anderen durch unser Anliegen haben.“, beschreibt die Vertreterin einer erfolgreichen BürgerInnenintiative, wie sie den Austausch der Ressource Geld vorbereitete. Der Tausch von Ressourcen wie Wissen, Zeit, Geld, Räumlichkeiten, Kontakte, Mitarbeit, Ideen, Motivation benötigt im weitesten Sinne logistisches Wissen.

 

Vor allem eine Wertschätzung gegenüber den Ressourcen anderer und das Wissen der Erwartungen der Tauschpartner ist ein wichtiger Faktor für die beiderseitige Zufriedenheit in den Austauschbeziehungen. Wesentliche Lernerfahrungen, die sich aus den Verbindungen unterschiedlichster Akteure ergeben, beschreibt eine Teilnehmerin der Stopp GATS Kampagne: „Man hat durch den Austausch Berührungsängste zwischen den heterogenen Akteuren verloren und andere Arbeitsweisen kennen gelernt. Weil zwischen Greenpeace, das ist eine Kampagnen-Organisation und attac als ein Netzwerk, in dem jeder auch was macht, ist ein Riesenunterschied. Und ebenso zum ÖGB als eine Riesenorganisation mit viel Potential.“ Ein langjähriger Empowermentaktivist beschreibt das Aufbauen eines Beziehungsnetzes innerhalb der Gruppe und ebenso den Aufbau von Beziehungen mit anderen außerhalb der Gruppe als die zentrale Grundlage für jeden Austausch von Ressourcen. „Das Wichtigste ist ein Beziehungsnetz aufzubauen, wo die Leute sich freiwillig einbringen wollen und ihre Fähigkeiten einsetzen.“

10.2 Austauschstrategien entwickeln

Strategieentwicklung wird für den Austausch von Ressourcen und ebenso für die Aktionsplanung benötigt. Diese Austauschstrategien beinhalten im wesentlichen die Definition der Zielgruppen – vom Verbündeten bis zum Verhinderer – sowie die Planung des regelmäßigen Transfers von Wissen und anderen Ressourcen. Dazu bedarf es der Wahrnehmung der Positionen von anderen Zielgruppen, ihrer Sorgen, Wünsche und Erwartungen. Das Wissen über die Bedürfnislagen und die damit verbundenen Erwartungen anderer ist von besonderer Bedeutung, wie ein stark vernetzender Akteur des Austrian Social Forum beschreibt: „Es gibt Bedingungen, die förderlich sind für das Ankoppeln an die Gruppe. Das ist sicher die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch einfach. Dabei muss man ungefähr wissen, was der andere vorhat, damit sich da was ergänzen kann.“

10.3 Ideenspeicher anlegen

Zu verschiedenen Zeitpunkten entstehen im Laufe der Gruppenarbeit Ideen für Aktionen. Um diese zu bewahren, eignet sich ein Ideenspeicher, in dem alle Ideen –kurz umrissen – niedergeschrieben werden.

10.4 eigene Medien verteilen

Das Erstellen und – regelmäßige – Verteilen eigener Medien ist für jede Gruppe, die öffentliche Aufmerksamkeit erreichen will, notwendig. Dadurch kann die eigene Einschätzung der Situation, das Anbieten von Kontaktmöglichkeiten und die Bitte um Unterstützung selbstbestimmt und öffentlich dargestellt werden. Moderne Telekommunikationstechniken können hierbei sehr effizient eingesetzt werden, wie ein Gewerkschafter berichtet: „Wir haben per SMS innerhalb kürzester Zeit mehr als 8.500 Betriebsräte zu Aktionsbeginn informiert.“

 

Den Zusammenhang zwischen Wissensweitergabe und dem Effekt der Solidarisierung mit den Gruppenanliegen beschreibt eine Vertreterin einer BürgerInneninitiative: „Und bei Empowermentprozessen braucht man eine Solidarisierung, das ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Erfolg der Arbeit. Solidarisierung wird nur erreicht, wenn man andere über die eigenen Anliegen regelmäßig informiert. Und diese Informationen sollen nicht nur nach außen hin sondern auch innerhalb des Vereins und der eigenen Aktivengruppe verteilt werden.“

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.