11. Wie können wir andere für unsere Idee gewinnen?


 

 

Nach Abwägung der verschiedenen Lösungswege kann die Gruppe relevante Teilöffentlichkeiten bestimmen. Durch bestimmtes Agieren während der Phase der Öffentlichkeitsarbeit sollen diese Teilöffentlichkeiten für das Anliegen der Gruppe gewonnen werden. Strategisch geplante, öffentliche Aktionen werden gemeinsam gesetzt, um anderen das eigene Anliegen vorzustellen, in der Hoffnung, dass sich diese dem Anliegen anschließen. Wichtig ist einzuschätzen, wie die angesprochenen Zielgruppen zum Anliegen der Gruppe stehen; als SympathisantInnen, neutrale Personen oder Verhinderer des Anliegens. Die Aktionen sollen eine kritische Aufmerksamkeitsschwelle überschreiten. Die Aktionen werden vorbereitet in Bezug auf inhaltliche Fundierung, Aktionsumsetzung und medialen Einsatz. Das Spektrum möglicher Aktionen ist äußerst vielfältig.

 

11.1 andere über Wirkungen der Aktion befragen

„Dass das Thema von anderen gehört wird,“ antwort eine Lokalpolitiker auf die Frage nach den Erfolgskriterien von Empowermentprozessen. Die Einschätzungen der Wirkungen von durchgeführten Aktionen geben Rückmeldung, wie weit der Aktionsradius reicht. Zudem können die Sensibilitäten anderer Akteure und Betroffener besser erkannt und beim weiteren Vorgehen mitgedacht werden. Die Rückmeldungen von Personen, die der Gruppe unterschiedlich nahe stehen, sind wichtig, um das durch die Aktion Erreichte bestimmen zu können. Eine Aktivistin in einer BürgerInnengruppe, die eine Volksbefragung erwirkte, beschreibt dies: „Es ist überall diskutiert worden. Und da plötzlich hat die Politik sehr wohl angefangen zu reflektieren. Wir konnten andere für unsere Idee gewinnen und die Wirkung unserer Aktionen waren offensichtlich.“

11.2 Ziele vergegenwärtigen

In dieser Phase der Aktionsumsetzung und der vorherigen Planung ist der Rückgriff auf die bisherigen Ziele sinnvoll. Durch das Vergegenwärtigen der Ziele, die gemeinsam definiert wurden, gewinnt die Gruppe Orientierung, wie auch ein Stadtteilarbeiter beschreibt: „Die Menschen wollen Aktionen machen, sie erkennen irgendwo ihre Chance. Meist vergessen sie aber ihre eigentlichen Ziele und verlaufen sich dann. Daher ist es gerade in der Aktionszeit wichtig, sich nochmals die Ziele in Erinnerung zu rufen.“

11.3 Aktionen dokumentieren

Durch Dokumentation wird das Wissen um die Aktion langfristig verfügbar gemacht. Dokumentation ist bei zivilgesellschaftlichen Gruppen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ein Zivilgesellschaftsberater meint: „Mir scheint, dass die Gruppen mehr Erfolg haben, die ihr Wissen strukturieren und dokumentieren. Die können dann einfach schneller auf ihre Erfahrungen zurückgreifen. Und das ist ein großer Vorteil bei mehrjährigen Prozessen, wo man was erreichen will.“ Im Rahmen der Dokumentation kann auf die Planung, Umsetzung und das Ergebnis Rücksicht genommen werden und die Aktionsdokumentation kann bereits vor der Aktion stattfinden.

11.4 Umgang mit `VIPs´ trainieren

VIPs sind Multiplikatoren, von denen man annimmt, dass ihnen großer Einfluss auf bestimmte Situationen und Öffentlichkeiten zugeschrieben wird. Meist will eine Gruppe eine ihr gewogene Berichterstattung in breiten öffentlichen Medien erreichen oder bestimmte Entscheidungen von EntscheidungsträgerInnen und Institutionen erwirken. Eine dementsprechende Wissensaufbereitung der eigenen Anliegen kann im vorhinein geübt werden. „Wir wussten, welche Sprache wir wo sprechen müssen, damit man uns zuhört.“, berichtet ein Mitglied einer großen öffentlichkeitswirksamen Selbsthilfegruppe. Ein attac Aktivist beschreibt die kommunikativen Veränderungen wie folgt: „Andere Leuten beginnen oft einem zu verstehen, wenn man beginnt sie zu verstehen.“ Das Nachvollziehen-Können des Zustandekommens von Entscheidungen beschreibt ein Lokalpolitiker als wesentliches Ergebnis in Empowermentprozessen: „Wenn es verstehbar wird, dann ist das genauso wichtig für die persönliche Teilhabe an Demokratie wie wenn man jetzt ganz konkret in eine Entscheidung eingebunden wurde und Recht behalten hat oder wenn man was mitbeeinflusst hat.“

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.