12. Was hat sich verändert?


 

 

In der Phase der Öffentlichkeitsarbeit wird die betroffen machende Situation hinsichtlich ihrer Veränderungen – ab dem Zeitpunkt des ersten Eindrucks – bewertet. Die wahrgenommenen Veränderungen sind Ausgangspunkt für eine weitere Einschätzung der Kontrollierbarkeit der Situation.

 

Die Leitfrage `Was hat sich verändert ?´ bezieht sich auf die Rekonstruktion der Veränderung der Situation seit dem ersten sehr emotionalen Eindruck. Das Wissen über die Veränderung der Situation innerhalb eines selbstgewählten Zeitraumes kann hilfreich sein, um die Veränderbarkeit und damit die Kontrollierbarkeit der Situation einzuschätzen.

 

12.1 Aufzeichnungen vergleichen

Die persönlichen Aufzeichnungen über die Situation bieten den Gruppenmitgliedern eine sehr gute individuelle Vergleichsmöglichkeit der unterschiedlich wahr-genommenen Veränderungen. Eine Sozialwissenschafterin berichtet über den Lerneffekt, der durch ihre Frage nach den Veränderungen auftrat: „Indem wir die Menschen nach ihren Erfahrungen in solchen Lernprozessen befragten, ergab sich für die Menschen ein interessanter Effekt: Sie lernten sich selber als Ursache für Lern- und Bildungsprozesse zu sehen.“

12.2 Ziele mit Erreichtem vergleichen

Durch den Vergleich der erreichten Situation mit den zuvor verbildlichten gemeinsamen Zielen und festgelegten Erfolgsindikatoren, entsteht Wissen über die Effizienz der Aktion. Dieses Wissen ist schließlich Ausgangspunkt für die weitere Ressourcen- und Unterstützungssuche. Durch das strukturierte Vergleichen des Erreichten mit den festgelegten Zielen kann sich ein detaillierteres Bild über den Wirkungsgrad der durchgeführten Aktionen ergeben. Auch unerwartete Veränderungen können wahrgenommen werden, wie die TeilnehmerIn einer BürgerInneninitiative für die Umgestaltung und Umwidmung eines Platzes beschreibt: „Wir haben den Platz nur teilweise mitgestalten können. Vielleicht haben wir auch ein bisschen `Bewusstseinsbildung´ auf politisch-administrativer Ebene erreicht. Das war aber nicht unser Ziel.“ Über den Zusammenhang zwischen der Zielerreichungsanalyse und der Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühls berichtet eine Teilnehmerin einer stark öffentlichkeitsorientierten Selbsthilfegruppe: „Wir haben unsere Erfolge immer gemeinsam reflektiert und gefeiert. Da war eine Kultur und auch ein ganz starkes Miteinander dadurch.“

 

Für den Vergleich der vergangenen mit der aktuellen Situation ist das Festlegen von Vergleichsindikatoren notwendig. Vergleichsindikatoren können sich auf die Veränderung der eigenen Ressourcenlage, der Situation und des Umganges mit der Situation beziehen. Dadurch können sich unmittelbare Erkenntnisse über die Veränderungen der eigenen Steuerungsfähigkeit ergeben: „Ich habe erkannt, dass mein eigenes Handeln Wirkungen setzt, und dass ich damit Bedeutung im Politikfeld gewinne,“ meint ein Aktivist der Zivilgesellschaftsbewegung attac.

12.3 Veränderungen aufschreiben

Um die Erkenntnis der Veränderbarkeit der Situation auch zu anderen Zeitpunkten leicht zugänglich wahrnehmen zu können, ist es nützlich, die erlebten Veränderungen schriftlich festzuhalten. Eine Zivilgesellschaftsberaterin berichtet über die (Ver-)teilung von Wissen über Veränderungen: „Es ist wichtig im Netzwerk, das Informationen über Veränderungen zusammengesucht, gefiltert und so aufbereitet werden, dass sie leicht lesbar und verwendbar sind. Oder in netzwerkartigeren Gebilden, so wie attac, da ist es halt so, dass jeder an seinem Ende und seinem Computer und bei seiner Regierung dransitzt und schaut, dass er die Papiere kriegt von den geheimen Verhandlungen. Die Veränderungen, die man dann jeweils bemerkt, werden dann gut aufbereitet an andere verteilt.“

12.4 Situationsanalyse veröffentlichen

Die Situationsanalyse, die sich aus dem Vergleich zwischen den Gruppenmitgliedern ergibt, stellt eine gute Grundlage für die weitere Öffentlichkeitsarbeit dar. Durch das Kundmachen der Situationseinschätzung der Gruppe können öffentliche Diskussionen über die Situation in Gang kommen. Ein Lokalpolitiker schätzt diese Veröffentlichung der eigenen Sichtweise gegenüber einer größeren Öffentlichkeit als zentrale Lernerfahrung ein: „Menschen in Bürgerinitiativen lernen, dass sie in erster Linie einmal in einer adäquaten Form ihre Meinung zu einem Thema äußern. Und das halt nicht nur Freunden oder der Familie gegenüber, sondern auch einer breiteren Gruppe oder einem Teil der Gesellschaft gegenüber. Zweitens erkennen Sie, dass es auch Sinn macht, diese Meinung zu äußern. Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass die Bürgerinitiative alles durchkämpft gegenüber der Politik sozusagen, aber es heißt sehr wohl, dass die Meinungen halt gehört, registriert und in einem normalen Entscheidungsprozess eingebunden werden.“

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.