1. Was irritiert mich an dieser Situation?


In der Phase der Betroffenheit wird erstmals intensiv und als störend wahrgenommen. Der entstandene Leidensdruck führt zu einer großen Unzufriedenheit mit der momentanen Lebenssituation. Emotionen wie Ärger, Wut oder Angst und Enttäuschung sind handlungsleitend und auch Impulsgeber für den Empowerment Prozess.  

 

Die Leitfrage `Was irritiert mich an dieser Situation?´ bezieht sich auf die Beschreibung der Situation unter Berücksichtigung der starken Emotionen.

 

Das Wissen über die als störend erlebten Situationseigenschaften und eine vertiefende Problemanalyse kann hilfreich sein, die Situation und deren störende Aspekte besser einzuschätzen.

 


1.1 Störendes aufschreiben

Um Wissen über die als höchst unangenehm bis bedrohlich erlebte Situation zu erwerben, eignet sich ein `brainstorming´ über die störenden Merkmale der Situation. Dabei werden alle als störend und unangenehm erlebten Situationsbeschreibungen schriftlich festgehalten. 

 

1.2 Auswirkungen einschätzen

Durch das Einschätzen der Auswirkungen der Situation auf einen selbst (Einwirkungen) wird die erwartete persönliche Gefährdung beschrieben. Diese Einwirkungen können unmittelbare bis mittelbare sowie kurzfristige bis langfristige Konsequenzen mit sich bringen. Ein Begleiter von Regionalentwicklungsprojekten berichtet über die Einschätzung der Auswirkungen von Situationen: „Die Menschen haben oft viel mehr Ahnung als wir ihnen im ersten Moment zuschreiben. Gerade bei den konkreten Auswirkungen.“

 

1.3 Bild der Situation malen

Durch das Malen von Bildern, die die bedrohliche Situation darstellen, wird diese auf einer nichtsprachlichen Ebene dargestellt. Die Situationsverarbeitung in dieser Form kann einen erleichternden Effekt mit sich bringen, da ein wenig Distanz zur eigenen Betroffenheit geschaffen wird. „Ich habe dann begonnen, ein Bild von der ganzen Sache zu malen, und mir ging es danach einfach besser. Warum, weiß ich selbst nicht, weil an der Situation hat sich ja nichts verändert. Aber vielleicht konnte ich meinen Ärger einfach ausdrücken.“, erzählt die Gründerin einer Selbsthilfegruppe.

 

1.4 Mit nahen Personen reden

Das nahe Umfeld als Primärgruppe erweist sich als eine der zentralsten Ressourcen für den beginnenden Empowermentprozess. Im Bereich der sozialen Unterstützung sind etwa der Partner/die Partnerin neben anderen sehr vertrauten Personen die erste Unterstützungs- und Ansprechperson bei Problemen. Ein Mitglied einer Stadterneuerungsgruppe erzählt von der sozialen Unterstützung durch seine Lebensgefährtin: „Gleich zu Beginn habe ich ihr davon erzählt. Sie war nicht sehr begeistert, sah auch keine Chance da etwas zu tun, aber ich konnte mich mal ausweinen.“

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.