2. Was begrenzt mich in dieser Situation?


Beim Wahrnehmen der Eigenkompetenz in der Phase der Betroffenheit erkennt man die Begrenzungen der eigenen Handlungsfähigkeiten. Die Anforderungen der Situation, um einen akzeptablen Zustand wiederherzustellen, werden in Bezug zu den eigenen Kontrollüberzeugungen (Überzeugung, auf eine Situation Einfluss nehmen zu können) gesetzt. Die Erfahrung von eingeschränkter Handlungsfähigkeit entsteht.

 

Die Leitfrage `Was begrenzt mich in dieser Situation?´ bezieht sich auf die persönliche Kontrollierbarkeit in dieser Situation.

 

Das Wissen über die persönlichen Steuerungsmöglichkeiten kann hilfreich sein, benötigte Fähigkeiten im Laufe des Empowermentprozesses gezielt zu entwickeln.

 


2.1 Abhängigkeiten hinterfragen

Eine große Hürde in Empowermentprozessen ist die persönliche Generalisierung eines Gefühls von Machtlosigkeit. In bedrohlichen Situationen entstehen erste Einschätzungen der eigenen Kontrollfähigkeiten, die einen selbst als mehr oder weniger machtvoll konstruieren. Durch das Hinterfragen von Abhängigkeiten (Woher kenne ich dieses Gefühl der Machtlosigkeit, dieses Gefühl der Abhängigkeit?) werden die persönlichen Einschätzungen eigener Steuerungs-un-fähigkeit reflektiert. Eine Psychologin meint dazu: "Diese Dekonstruktionen von bewährten kognitiven Schemata werden meist als sehr mühsam erlebt, da vergangene Erfahrungen der geringen Steuerungsfähigkeit vergegenwärtigt werden."

 

2.2 sich an bewältigte Situationen erinnern

Durch das gezielte Erinnern an bedrohliche Situationen, die bereits bewältigt wurden, werden kognitive Muster der eigenen Stärke erinnert. Dadurch kann die erste resignative Haltung, nichts tun zu können, selbstbestimmt beeinflusst werden.

 

2.3 `Bild der Stärke´ malen

Das Malen eines `visionären Bildes der Stärke´ drückt den Zustand nach einer Veränderung aus. In diesem Bild wird die Situation dargestellt, wie sie im Idealfall aussehen sollte. Oft sind in diesen Bildern bereits Ansätze zur Veränderung des eigenen begrenzten Handlungsradius zu erkennen. Diese Bilder sind wichtige Wegweiser in Empowermentprozessen. „Dann kam mir so die Idee, aber zumindest zeichnen kann ich diese Sache. Das Bild war dann zwar utopisch, aber ich hatte eine emotionale Ahnung, wohin die Reise gehen sollte.“, erzählt eine Frau aus einer Dorferneuerungsgruppe.

 

2.4 Bewältigungsideen erzählen

Auch wenn das Wahrnehmen der persönlichen Begrenzungen ein eher introvertierter Teil im Empowermentprozess ist, so werden erste Ideen zur Bewältigung der Situation anderen vertrauten Personen erzählt. „Am Anfang war weniger das viele Wissen um die Situation da, das ich jetzt habe, aber es war ein ungeheures Wollen in mir. Das musste ich mit anderen teilen.“ , beschreibt eine Aktivistin in einem Stadtentwicklungsprojekt ihre Erfahrungen zu Beginn ihres Empowermentprozesses.

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.