5. Was sind unsere Interessen und konkreten Ziele?


Beim Austausch gemeinsam mit weiteren Betroffenen werden Interessen, Ziele und Erfolgsmaßstäbe definiert. Die Verschiedenheit der Wünsche und Erwartungen wird sichtbar. Es gelingt, aus dieser Vielfalt gemeinsame Visionen und konkrete Ziele abzuleiten. Das Definieren von Erfolgsmaßstäben, an denen später der Grad der Zielerreichung gemessen werden kann, ist auch in Empowermentprozessen besonders wichtig.

 

Durch die Leitfrage `Was sind unsere Interessen und konkreten Ziele ?´ ist die Gruppe aufgefordert, ihre Interessenslagen und konkrete Ziele zu definieren, aus denen Erfolgsmaßstäbe abgeleitet werden können.

 

Das Wissen um die verschiedenen Interessen und Zielvorstellungen in der Gruppe sowie das Definieren von gemeinsamen Zielen und Erfolgsmaßstäben können hilfreich sein, um Aktionen gezielt zu planen, durchzuführen und zu bewerten.

5.1 Interessenslagen besprechen

Beim Reflektieren der unterschiedlichen Interessenslagen und Erwartungen innerhalb der Gruppen werden lang- bis kurzfristige Ziele entwickelt. Die Motivationen werden deutlicher. Gerade für den Schritt in Richtung Bewältigung bzw. aktiven Umgang mit der Situation ist das Finden von gemeinsamen Zielvorstellungen wichtig. Ein zivilgesellschaftlicher Akteur beschreibt die Unterschiedlichkeiten wie folgt: „Wie kann man es umsetzen, fragten wir uns. Und es war bei der ersten Diskussion erstaunlich, wo wir 15 Leute waren. Und jeder hatte eine andere Vorstellung von dieser Sache gehabt. Es glauben immer alle, sie reden vom selben. Und dass es da aber im Untergrund große, sehr große Differenzen geben kann, das muss man sich erst mal genauer ansehen.“

 

5.2 Erfolgsindikatoren festlegen

Ein Mann aus einer Elterngruppe beschreibt die Zielsetzungen seiner Gruppe als schrittweises Vorgehen: „Das Idealmodell war nicht durchsetzbar. Wir haben uns aber Ziele zur Annäherung an unser Idealziel gesetzt.“  Durch das Entwickeln und Festlegen von Erfolgsindikatoren werden die zu erreichenden Ziele konkretisiert und darüber hinaus zukünftige erwünschte Situationen im Detail beschrieben. Zielsetzungen sollten für einen bestimmten Zeitraum und unter beschriebenen Rahmenbedingungen definiert werden, da gerade in sozialen Veränderungsprozessen Entwicklungen schwer vorhersagbar sind. „Wir haben uns damit beschäftigt, was unter den gegebenen politischen Rahmenbedingungen möglich ist. Wir haben unterschieden zwischen strategischen und taktischen Zielen sowie zwischen inhaltlichen und prozessbezogenen. Diese Zielsetzung hat sich im Laufe des Empowermentprozesses mehrmals konkretisiert bzw. verschoben.“, berichtet eine Frau aus einer Lokalen Agenda 21 Gruppe. Als Zielsetzung von Empowermentprozessen wird oftmals der veränderte Zustand einer Situation gesetzt. Zielsetzung kann ebenso die Artikulation und Inanspruchnahme von öffentlichen Räumen des Diskurses sein, wie die Teilnehmerin einer BürgerInnengruppe beschreibt: „Der Erfolg eines Empowermentprozesses hängt für mich nicht davon an, ob das ursprüngliche Ziel erreicht worden ist. Es geht vielmehr um die erstmalige Diskussionsmöglichkeit, um die Konfliktaushandlung innerhalb der Gruppe und mit Akteuren außerhalb der Gruppe.“

 

5.3 Ziele verbildlichen

In einem gemeinsam gemalten Bild werden gemeinsame Ziele und mögliche Wege dorthin dargestellt. Dieses Visionsbild der Gruppe kann mit gemalten Bildern der persönlichen Situationsbeschreibung und mit eigenen visionären Bildern der Stärke, gemalt in der Phase der Betroffenheit, in Verbindung gesetzt werden.

 

5.4 Gruppenziele veröffentlichen

Durch das Veröffentlichen der Ziele der Gruppe wird diese für andere verstärkt wahrnehmbar und Positionierungen zu der Gruppe erfolgen. „Man muss wissen, wie man das Anliegen auf ein, zwei Seiten so nett zusammenfasst, dass es sich jemand, der viel zu tun hat, schnell mal durchlesen kann und sich ein Bild darüber machen kann.“ wünscht sich ein Wiener Bezirksvorsteher die Darstellung von Bürgeranliegen.

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.