7. Wie ist diese Situation entstanden?


 

 

In der Phase der Unterstützungssuche beim Wahrnehmen der Situation werden gemeinsam deren Entstehungsgeschichte sowie bisherige Veränderungen reflektiert. Die Emotionen wie Ärger, Angst oder Wut sind in den Hintergrund getreten. Der Wunsch nach einer Situationsveränderung wird durch den Zusammenschluss bestärkt.

 

Die Leitfrage `Wie ist diese Situation entstanden?´ bezieht sich auf die Rekonstruktion der bisherigen Entstehung der Situation.

Das detaillierte Wissen über die Situationsentstehung kann hilfreich sein, um Entstehungsfaktoren zu charakterisieren, auf die man im Laufe des Empowerment-Prozesses einwirken kann.

 

7.1 andere `Zeitzeugen´ befragen

Durch das Befragen von anderen `Zeitzeugen´, von denen man annimmt, dass sie die Situation bereits länger kennen, wird weiteres Wissen erworben. Solche Personen können bereits längerfristig Betroffene sein oder Personen, die sich professionell mit der Situation auseinandersetzen. Ein Stadtteilarbeiter berichtet über die Kontaktaufnahmen einer MieterInnengruppe, die ihre Betriebskosten senken wollten: „In mehreren Sitzungen wurde die Sachlage erhoben, mit Hilfe von Betroffenen aus dem Wohnblock und ebenso auch von JuristInnen aus der Mietervertretung.“

 

7.2 ähnliche Situationen suchen

Beim Vergleichen mit ähnlichen Situationen kann eine erweiterte Situationseinschätzung erfolgen. Oftmals genügt ein Vergleich mit Alltagserfahrungen, um gemeinsam zu einem differenzierteren Bild der Situation zu gelangen. Der Gründer einer mehrjährigen Diskussionsgruppe zur Stadtentwicklung berichtet: „Durch das gemeinsame Gespräch, durch das gemeinsame Nachdenken über ein bestimmtes Thema, ohne dass man vorher sich total eingelesen hat, sondern einfach durch den Vergleich von Alltagsbegriffen, haben wir sehr viel herausgearbeitet. Damals entstanden die Begriffsbestimmungen, mit denen wir nach wie vor arbeiten."

 

7.3 Dokumentation anlegen

Aus der Perspektive von Wissensmanagement ist der Wissenstransfer zwischen Personen sehr wichtig, um Wissensprozesse in einer Gruppe und in auch Organisationen langfristig zu gewährleisten. „Wir haben nach den Gründen für diese Situation gesucht. Dabei studierten wir Gesetzestexte und Publikationen und hatten regen Austausch mit Menschen aus Politik, Medien und Verwaltung,“ meint ein Mitglied einer Selbsthilfegruppe. Das Anlegen eines einfachen Dokumentenarchivs, das Wissen über die Situation bewahrt, ermöglicht einen späteren Vergleich zwischen bisherigen und aktuellen Situationsentwicklungen. Eine Zivilgesellschaftsberaterin meint, dass die Bewahrung von Wissen ein unterentwickelter Aspekt bei der Empowermentarbeit ist: „Es ist rein eine organisatorische Sache, glaube ich. Weil die Leute einfach schon überfordert sind, das Programm aufzustellen und dann so froh sind, dass es rennt. Wenn es vorbei ist, sind sie erleichtert und lassen Alles fallen. Da denkt keiner mehr an die Dokumentation. Andererseits macht ein Netzwerk wie attac das sehr gut. Die bauen hauptsächlich auf Wissensweitergabe auf. Sie haben ein ordentliches Wissenssystem, indem sie zu all ihren Themen Hintergrundpapiere auf ihrer Homepage haben.“

 

7.4 `WissensträgerInnen´ befragen

Personen, denen man zuschreibt, dass sie über Angelegenheiten, die mit dieser Situation in Verbindung stehen, gut informiert sind, werden kontaktiert. Ziel dieser Kontaktaufnahme kann auch schon sein, das eigene Wissen über die Entstehung der Situation anderen weiterzugeben.

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.