Wissensorientierte Empowerment-Begleitung.

 

Wissensorientierte Begleitung beruht auf Prinzipien einer offenen pädagogischen Haltung: Jeder Mensch ist fähig, sich zu orientieren und kann passende Entscheidungen treffen.  Wissensorientierte Begleitung hilft die Zuordnungen von Wahrnehmungen, Erinnerungen, Erwartungen zu reflektieren.

 

Das Besondere bei der Begleitung von Menschen in Empowermentprozessen ist der Wandel auf drei Ebenen: persönlich, sozial, politisch.

 

Im Unterschied zu psychotherapeutischen Begleitungen zielt Empowerment immer auf Veränderung von gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Denn Empowerment ist auch ein politischer Begriff. 

 

Wissensorientierte Empowermentbegleitung hilft Menschen beim Erwerben, Entwickeln, Bewahren und Verteilen von Wissen.

Der Empowerment-Kompass und die 12 Impulskarten sind Orientierungsinstrumente, um Impulse für heilsame Veränderungen zu ermöglichen.


Begleiten und ermutigende Angebote schenken.

1. Menschen in Veränderungs-Prozessen verfügen über einen kostbaren Schatz an Wissen.

Menschen lernen viel in Empowermentprozessen, allerdings sind sie sich ihrer Lernerfahrungen selten bewusst.

Durch unterstützende Reflexionen können Lernerfahrungen im Laufe des Selbstermächtigungsprozesses besser integriert werden.

Dabei lernen Menschen, sich selber als Ursache für ihre Lern- und Bildungsprozesse zu betrachten.

 

2. Empowerment= Selbst + Sozialveränderung.

Empowerment bedeutet, Situationen mit hoher emotionaler Betroffenheit zu betrachten, eigene Stärken zu erkennen und  diese in der Gemeinschaft mit anderen freiwillig einzusetzen. Veränderungen der eigenen und gemeinsamen Lebensbedingungen sollen erwirkt werden. Dies geschieht zum Beispiel, wenn sich Menschen in Selbsthilfegruppen zusammenschließen, bei Stadt- und Regionalentwicklungsprozessen, beim ehrenamtlichen Engagement, und an vielen weiteren Orte. Im Allgemeinen sind Empowermentprozesse durch eine Haltung „Ja zur Zukunft“ und „Nein zur gegenwärtig unangenehmen Situation“´ gekennzeichnet.

 

3. Beobachtung und Komunikation nimmt zu.

In Empowerment-Prozessen zeigen sich vor allem zwei Entwicklungsansätze, über die sich Prozesse der Selbst- und Sozialveränderung wechselseitig und schrittweise entwickeln: Die individuelle und kollektive Beobachtungskapazität nimmt zu und die Kommunikationskapazität innerhalb und außerhalb eines Kreises von Betroffenen wächst. Vor allem in zivilgesellschaftlichen Bewegungen kann es das Wissen und das soziale Kapital einer Gesellschaft vermehren.

 

 

4. Empowerment-Gruppen sind gelebte Wissensgemeinschaften.

In Empowerment-Prozessen passiert situatives Lernen in einer Wissensgemeinschaft (`community of practice´).  Menschen schließen sich auf freiwilliger Basis über einen längeren Zeitraum zusammen. Ziele einer solchen Wissensgemeinschaft werden durch die Gemeinschaft selbst ausgehandelt. Die Prozesse in solchen Wissensgemeinschaften sind durch Eigenverantwortung, Selbstorganisation und Lernbereitschaft bestimmt. Vor allem durch die Perspektivierung von Wissensmanagement in Empowermentprozessen soll diesem Aspekt vermehrt Rechnung getragen werden können. Empowerment findet an vielen Orten statt. 

 

5. Empowerment-Prozesse sind situative und selbstgesteuerte Lernprozesse.

Menschen überwinden ihre Resignation, entwickeln neue Denk- und Verhaltensmuster. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Sichtweisen. Lernen in den Wissensgemeinschaften der Empowermentaktiven bedeutet, situativ und selbstgesteuert zu lernen. Auch wenn in Empowermentprozessen Lernziele nicht explizit gemacht werden, so wird vor allem durch Wissensmanagement in Empowermentprozessen die Ressource Wissen hervorgehoben.

 

 

6. Empowerment-Gruppen stärken sich leicht durch das Jiu-Jitsu Prinzip und Symbiosen.

Den Regenschirm gegen den Wind aufspannen zu wollen, ist oft schwer. Sich ein wenig zu drehen und die Kraft des Windes zu nutzen, kann auch für Empowermentgruppen eine sinnvolle Strategie sein.

 

Ebenso kann der Austausch und Zusammenschluss mit bestehenden und in anderen Themenbereichen agierenden Gruppen alle gemeinsam stärken.

 

7. Wissensmanagement unterstützt individuelle und organisationale Lernprozesse.

Wissensmanagement hebt den Umgang mit der Ressource Wissen hervor, um individuelle und organisationale Lernprozesse zu unterstützen. Durch wissensorientierte Strategien können Menschen in ihren Entwicklungsprozessen begleitet werden. Dabei können sie ihre eigene kognitive Selbstbestimmung nutzen, um neues Wissen zu erwerben und zu entwickeln. Wissensmanagement in Empowermentprozessen kann bei diesen individuellen und kollektiven Veränderungen hilfreiche Interventionsstrategien bereit stellen.

 

8. Wissensorientierte Empowerment-Begleitung fußt auf konstruktivistischer Pädagogik.

Ein relevanter Handlungsansatz für die Begleitung von Empowermentaktiven kommt aus der konstruktivistischen Pädagogik. Konstruktivistische Betrachtung von Empowerment-Prozessen bedeutet die Entwicklung von einer substantiellen, realistischen, statischen Weltsicht in Richtung einer konstitutiven, dynamischen, interaktionischen Sicht von Selbst- und Sozialveränderung.

 

Die Bedeutung und Verantwortung des/der Beobachters/in für seine/ihre Weltsicht wird hervorgehoben. Ebenso wird die Kraft der Reflexion betont, um aus eingefahrenen Bahnen individueller und sozialer Ohnmachtskonstruktionen auszusteigen.

 

9. Wissensorientierte Empowerment-Begleitung tanzt gemeinsam anstatt zu aktivieren.

Die Haltung der Aktivierung führt immer zu Problemen in der zwischenmenschlichen Interaktion und ebenso in der Begleitungsarbeit. Die menschliche kognitive Autonomie wird vergessen, und es entstehen nichterfüllbare Erwartungen an andere.

Wissensorientierte Empowermentbegleitung vermeidet es, in die Position zu kommen, andere aktivieren oder motivieren zu wollen. Stattdessen setzt sie Angebote, gemeinsam zu lernen und gemeinsam zu verändern.

 

10. Der Empowerment-Kompass als Instrument für selbstgesteuertes Lernen.

Der Empowerment-Kompass ist Menschen ein Kompass für selbstermächtigende Prozesse. Mit ihm ist es möglich, Empowerment als Weg der Selbst- und Sozialveränderung zielgerichtet zu gehen. 

 

Menschen finden in ihren Veränderungs- und Lernprozessen selbstständig Orientierung. Denn: Wer sich orientieren kann, kann auch steuern.

 

11. Der Schritt zur Selbstbestimmung kann nur selbstbestimmt sein.

`Sei selbstbestimmt´ ist eine Aufforderung, die eine paradoxe Situation (double bind) erzeugt. EmpowermentbegleiterInnen übernehmen gerade diese Aufgabe, wenn sie zur Selbstbestimmung aktivieren wollen. Nur durch eine grundlegende Haltungsänderung hin zu einer stärkeren kognitiven Autonomieorientierung ist es möglich, dieses Paradoxon aufzulösen. Menschen entscheiden in ihrem Denken und Wollen autonom, sind aber nicht autark. Die erfolgreichen und anhaltenden Schritte der Selbstbestimmung entstehen nur aus der eigenen Betroffenheit und aus dem eigenen Interesse, sich zu verändern.

 

12. Weitere Anwendungen ergeben weiteres Wissen.

Der Empowerment-Kompass ist auch ein Instrument, um Veränderungsprozesse in Organisationen zu begleiten. Denn der zugrundeliegende Ansatz des systemischen Wissensmanagements ist ein praxisorientierter Ansatz für Wissensgemeinschaften und Prozesse des selbstgesteuerten Lernens sowohl in wirtschaftlichen Organisationen als auch in zivilgesellschaftlichen Netzwerken.

 

 

 

Sei der Wandel, den Du Dir wünscht.